Herren 1. Liga: Die Maladière kann nicht nur Fussball

Spielbericht

Gegen die direkten Verfolger aus Neuenburg mussten dringend Punkte her, wollten die Limmattaler ihren Tabellenplatz verteidigen.

Die Spielstätte der Wallabys aus Corcelles-Cormondrèche versteckt sich im vierten Stock des Stade de la Maladière und konnte nur dank der pfadfinderischen Fähigkeiten und Erinnerungsvermögen Küchlis gefunden werden. Dass bei den Westschweizern eigentlich nur zwei Akteure wirklich torgefährlich sind, verrät ein Blick in die aktuellen Statistikbücher der Liga. Platz eins und zwei werden von Neuenburger Spielern besetzt.

Mit skoren legten allerdings andere los. Nach rund viereinhalb Minuten konnten die Hausherren ihr Powerplay aufs Feld schicken und benötigten gerade einmal 18 Sekunden, ehe ein scharfes Zuspiel im Slot vor Maurer ins Tor abgelenkt wurde. Die Führung, ein wenig entgegen dem Spielverlauf entstanden, hielt aber nicht lange Bestand. In der 7. Minute rief sich Kahn, drei Meter hinter der Mittellinie stehend, die schallenden Rufe seines Vaters in Erinnerung: «Schüüüsss Colin!! Schüüsss!». Und Colin schoss. An Freund und Feind vorbei und damit auch ins Tor. Die Limmattaler dominierten in dieser frühen Phase die Partie weitgehend. Die Gastgeber mussten sich auf seltene Konter aus Fehlern der Limmattaler verlassen. In der 8. Minute liess sich der nächste Verteidiger in die Torschützenliste eintragen. Erfolgreich waren die Urdorfer mit der Freistossvariante, die ungeklärt nach einem Schweizer Unihockeyverein, dem bekanntesten Hersteller von Knäckebrot oder doch einer schwedischen Königsdynastie benannt ist. Pfau übernahm von Lemke und verwandelte ebenfalls aus weiter Distanz zum 1:2. Diese Führung verwalteten die Limmattaler dann nicht nur, sondern drückten weiter auf den nächsten Treffer. Dieser rückte in der 14. Spielminute in greifbare Nähe. Denn da konnte sich auch das Limmattaler Überzahlspiel zum ersten Mal postieren. Nachdem zunächst zwei Abschlüsse am Tor vorbeizischten, fand Peraro den mittig stehenden J. Siegenthaler, welcher die Kugel im Fallen noch ins Netz spedieren konnte. Und keine Zeigerumdrehung nach dem dritten Limmattaler Treffer wurde Halter regelwidrig am Abschluss gestört, was einen Strafstoss nach sich zog. Der Gefoulte lief gleich selbst an und verwandelte souverän zum 1:4. Der Spielstand ging angesichts des Gezeigten absolut in Ordnung und das mit rund 70 Personen nicht ganz ausverkaufte Stadion, Platz hätten 12'500 Zuschauende gehabt, gönnte sich ebenfalls eine kurze Pause.

Nach dieser fanden die Hausherren besser in die Partie. Nicht aus eigenem Vermögen, sondern weil sich die Urdorfer immer mehr Fehlentscheidungen leisteten, sowie damit begannen, das Spiel immer hektischer zu gestalten. Darauf liessen sich die Limmattaler im weiteren Spielverlauf mehr und mehr ein, was nur den Neuenburgern zugutekam. Wenn das Mitteldrittel mit einem Wort beschrieben werden müsste, käme mir nur «zerfahren» in den Sinn. Die Limmattaler weiterhin mit mehr Ballbesitz als die Westschweizer, dennoch wollte nicht viel Zwingendes gelingen. Der mittlerweile ausgetauschte Schlussmann der Neuenburger sowie Maurer im Kasten der Limmattaler trugen auch noch ihren Teil dazu bei, dass sich 20 Minuten lang auf der Anzeigetafel nichts änderte.

Dass dies im letzten Drittel nicht so bleiben sollte, lag allerdings in der Luft. Auch die Gangart wurde kontinuierlich ruppiger, was in der 47. Minute mit je einer Zeitstrafe gegen einen Limmattaler sowie Neuenburger Akteur mündete. Dank des neuen Regelwerks ging es aber mit der normalen Anzahl Feldspieler weiter. Kurz vor Ablauf der Doppelstrafe musste aber nochmals ein Urdorfer in die Kühlbox. Und wie im ersten Drittel konnten die Hausherren die Überzahlsituation ausnützen und verkürzten auf 2:4. Die aufkommende Hoffnung einer Aufholjagd wurde wenig später zumindest kurzfristig eingedämmt. Peraro fand nach schöner Auslösung den freistehenden Halter, welcher die Kugel sehenswert ins nahe Lattenkreuz hämmerte. Die neuerliche Drei-Tore-Führung war jedoch nicht von langer Dauer. Mit einem Doppelschlag in der 53. und 55. Minute realisierten die Neuenburger den Anschluss. Und während die Gastgeber mehr und mehr an die Sensation glaubten, waren die Gesichter der Urdorfer nicht mehr von grosser Zuversicht gezeichnet. So kam es, wie es kommen musste und der sechste Feldspieler auf Seiten der Romands führte 47 Sekunden vor Spielschluss folgerichtig zum Ausgleich.

Die Punkteteilung erarbeiteten sich die Wallabys in den letzten 15 Minuten redlich und durften somit um den Extrapunkt mitspielen. In der Verlängerung spielten beide Teams mit offenen Messern. Hüben wie drüben summierten sich die Torchancen, doch eine Entscheidung sollte nicht fallen.

Also musste das Penaltyschiessen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Nach den fünf regulären Schützen stand es 2:2. Für Limmattal trafen Küchli und Lemke. Ebendieser Lemke durfte im Sudden-Death Modus dann gleich nochmals antreten. Und da Maurer gerade eben den Neuenburger Versuch pariert hatte, konnte Lemke für die Entscheidung sorgen. Dies liess er sich dann auch nicht nehmen, verwandelte eiskalt mit seinem 745. Move, den er in petto hat und sicherte den Limmattalern den Zusatzpunkt.

Somit konnten die Urdorfer ihre späte Heimreise doch noch mit einem Sieg und zwei Punkten im Gepäck antreten. Der dritte Tabellenrang konnte damit trotz der zahlreichen und schwerwiegenden Absenzen ebenfalls gesichert werden. Damit dies auch weiterhin so bleibt, werden an der Doppelrunde vom kommenden Wochenende aber weitere Punkte fällig. Am Samstag wartet mit Unihockey Emme in Zollbrück der unangefochtene Leader auf die Limmattaler. Am Sonntag steigt das Zürcher Derby in der Falletsche gegen Züri Süd. Beide Partien werden um 17.00 Uhr angepfiffen. Die Sonntagspartie stellt zugleich auch der Start in die Rückrunde dar. Mit dem bisherigen Saisonverlauf können die Limmattaler zufrieden, aber auch nicht vollends glücklich sein. Zu oft gab man leichtfertig Punkte her und liess Gegner unnötigerweise in ein Spiel zurückkommen, welches eigentlich schon entschieden war. Wenn diese wenigen Fehler noch abgestellt werden können, steht einer Rückrunde, welche mehr als nur zufriedenstellend ist, nichts mehr im Weg.

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8.11.2026
Flavio Schneider
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