Die vergangene Doppelrunde gegen die selbsternannten Hauptstädter schürte bereits früh in der Saison die ersten persönlichen Rivalitäten.
Doch der Reihe nach. Auf Wunsch der Berner fand nach dem regulären Qualifikationsspiel Nummer 9 am Samstag das direkte Rückspiel zwischen den Capitals und Limmattal am Sonntag in der Wankdorfhalle statt. Eine Doppelrunde, derselbe Gegner. Normalerweise nur in der Crunch-Time nach der Qualifikation möglich. Doch am vergangenen Wochenende für diese Teams, welche sich beide um die vorderen Tabellenplätze rangeln, Realität.
Die Partie am Samstag wurde pünktlich um 19:00 Uhr in Urdorf angepfiffen und benötigte nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Bereits in der 3. Minute jubelten die Gäste, nachdem ein Abpraller blitzschnell verwertet werden konnte. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Beide Teams versuchten über weite Strecken mit dem Ball in den eigenen Reihen zu spielen. Der neutrale Zuschauer musste den Gästen leichte Vorteile einräumen, insbesondere dem Umstand geschuldet, dass die Limmattaler die letzte Konsequenz vermissen liessen. Mehr Zweikämpfe und damit auch die besseren Chancen auf den Ausbau der Führung überliess man den Bernern. Dass dieses Spiel nicht lange gutgehen konnte, hätte eigentlich klar sein müssen. In der 18. Minute durfte sich dann auch noch das hochkarätige Berner Powerplay aufstellen. Gespickt mit ausländischen Verstärkungsspielern sowie talentierten jungen Schweizern erhöhte dieses wenige Sekunden vor Ablauf der Zeitstrafe. Schlussendlich ein wenig glücklich, aber nicht unverdient, durften sich die Capitals mit zwei Toren Abstand in die erste Pause verabschieden.
In dieser, so schien es zunächst, fand der Limmattaler Coachingstaff die passenderen Worte. Denn keine zwei Zeigerumdrehungen nach Wiederanpfiff starteten X. Amaro Dominguez und Zahner einen schnellen Gegenstoss, welchen der ältere der beiden (Anm. d Red.: Auch wenn ich es selbst kaum glaube, aber Zahner ist wirklich älter), eiskalt zum Anschlusstreffer verwertete. Wenig später fand sich erneut ein Limmattaler auf der Strafbank, diesmal jedoch ohne Folgen für die Anzeigetafel. Diese zeigte kurz nach Spielhälfte dann aber doch wieder die alte Zwei-Tore-Führung der Gäste an, nachdem ein Prellball im Slot vor Maurer per Volley eingenetzt wurde. Doch auch nach diesem Treffer schienen die Limmattaler immer noch nicht richtig im Spiel angekommen zu sein. Mittlerweile schienen die Unparteiischen immer mehr Gefallen an Zeitstrafen zu finden, stellten sie doch zwischen der 36. und 40. Minute gleich vier Spieler (3x Limmattal, 1x Bern) zwischenzeitlich vom Feld. Die Gäste nutzten ein weiteres Powerplay zum 1:4 aus und für die letzte halbe Minute des Mitteldrittels mussten die Limmattaler (ohne Gegentreffer) zu dritt gegen vier Berner verteidigen.
So durften die Mutzen kurz nach Beginn des Schlussdrittels für gut 1 ½ Minuten in doppelter Überzahl agieren. Diese Einladung liessen sie dann auch nicht ungenutzt verstreichen und erhöhten auf 1:5. Bisher somit absolut nicht der Abend der Limmattaler. Doch dieses Zwischenresultat hatten sie sich selber zuzuschreiben. Die verbliebene einfache Unterzahl überstanden sie unbeschadet und offensichtlich ging folglich doch noch ein Ruck durch die Mannschaft. Sei es aufgrund der frischen Kräfte, welche ins Spiel kamen, der lautstarken Unterstützung von den Rängen oder einfach aufgrund des angeknacksten Stolzes bleibt Spekulation. Wie ausgewechselt schalteten die Hausherren aus dem Nichts drei Gänge höher und spielten die Berner in den darauffolgenden Minuten regelrecht an die Wand. Zunächst war es das vorherige Tor-Duo, einfach in anderer Reihenfolge, welches für den ersten Funken Hoffnung sorgten. Nach unnachgiebiger Arbeit Zahners in der 46. Minute übernahm X. Amaro Dominguez das Spielgerät und haute dieses ohne Zögern unter die Querlatte. Rund drei Minuten später setzte sich Wieland im Zweikampf durch und brachte die Kugel zu Schneider hinter dem gegnerischen Tor. Dieser erblickte den im Slot stehenden Lemke und legte mustergültig auf, sodass dieser nur noch einschiessen musste. Nachdem die Limmattaler dann eine Powerplaysituation ungenutzt verstreichen liessen, fasste sich Hasenböhler bei einem Freistoss auf der Mittellinie ein Herz und versenkte eine Bilderbuch-Bogenlampe via Lattenkreuz zum 4:5 Anschlusstreffer hinter dem gegnerischen Torhüter. Das wenig später eingezogene Time-Out der Berner nutzten beide Teams, um kurz durchzuschnaufen. In der 54. Minute durfte sich dann zum dritten Mal an diesem Abend das Urdorfer Überzahlspiel postieren. Dieses dauerte gerade einmal acht Sekunden, ehe Halter komplett vergessen ging und das Zuspiel von Bär abgeklärt zum 5:5 Ausgleich verwandelte. Doch das letzte Kapitel der Partie war mit dieser erfolgreichen Aufholjagd noch nicht geschrieben. Denn offensichtlich hatten insbesondere die Unparteiischen keine Lust auf eine Verlängerung und verbannten 52 Sekunden vor Spielschluss zum sechsten Mal einen Limmattaler in die Kühlbox. Diese Einladung nahmen die Berner in Persona des Schweden Asklöff dankend an und stellten 12 Sekunden vor der Sirene auf 5:6. Das Time-Out der Limmattaler konnte den Ausgang auch nicht mehr ändern, womit der Treffer ins verwaiste Tor der Gastgeber den Schlusspunkt unter einen turbulenten Abend setzte.
Lange nachtrauern lag wie eingangs beschrieben aber nicht drin. Denn keine 24 Stunden später stieg das direkte Rückspiel in der für diese Zwecke deutlich überdimensionierten Berner Wankdorfhalle. «Eine über 60 Minuten konzentriertere Leistung und vor allem mehr Konsequenz in den Aktionen» wurde vom Trainerstaff gefordert. Dies versuchten die Limmattaler, aufgrund von Absenzen/Krankheit/Verletzung, in teils komplett neu formierten Linien so umzusetzen.
Den besseren Start in die Partie erwischten abermals die Bundesstädter. Nach exakt 100 Sekunden stand es bereits 1:0 für die Gastgeber. Doch im Gegensatz zum Vorabend agierten die Urdorfer deutlich aggressiver und mit mehr Nachdruck im Spiel nach vorne. So war es auch ein offensiver Ballgewinn, welcher den Ausgleich einleitete. Zahner legte auf den mittig freilaufenden S. Maurer, der die Kugel ohne lange zu fackeln unhaltbar ins Lattenkreuz hämmerte. Die Partie gestaltete sich auch am Sonntag ausgeglichen, diesmal jedoch ohne die Vorteile für die Berner vom Vortag. Die dort vermisste Konsequenz stellte X. Amaro Dominguez in der 13. Minute eindrücklich zur Schau Nach einem Ballgewinn und einem Sprint über drei Viertel des Feldes fand sein Abschluss zwar nur den Weg am Gehäuse vorbei, doch anstelle, seinen Lauf abzubrechen, preschte er weiter nach vorne und verwertete sein eigenes Zuspiel via Bande hinter dem Tor gleich selbst zum 1:2. Diese Führung der Limmattaler hielt zum Leidwesen der Gäste nicht lange Bestand. Bereits in der 15. Minute nutzten die Berner einen schnellen Gegenstoss zum Ausgleich. Die erste Strafe des Abends gegen einen Limmattaler war dann nur für die Statistik relevant, nicht jedoch für das Scoreboard bis zur Pause.
Diesmal hatten die Berner ihre Mische im Pausentee wohl besser eingestellt, kamen sie doch kurz nach Wiederanpfiff gleich zweimal zum Torerfolg. Und zweimal ging ein unerzwungener Ballverlust der Urdorfer voraus. Doch dass sich diese nicht so einfach abspeisen lassen, war spätestens nach dem Hinspiel am Vortag bekannt. So fasste sich Verteidiger Ingold rund zwei Minuten nach dem 4:2 der Berner ein Herz und erwischte mit einem Distanzschuss den gegnerischen Torhüter im nahen Eck zum Anschluss. In der 28. Minute durfte sich dann auch das Limmattaler Powerplay zum ersten Mal installieren. Doch mehr als vielversprechende Abschlüsse auf den Kasten der Berner sollte daraus nicht resultieren. So waren es ebendiese, welche wenige Momente nach Ablauf der Strafe wieder mit Jubeln an der Reihe waren. Die schöne Regelmässigkeit der Torerfolge fand aber erst in der 33. Minute mit dem abermaligen Anschlusstreffer zum 5:4 durch Halter ihr Ende. Mit diesem Zwischenresultat verabschiedeten sich die beiden Teams zum vierten Mal an diesem Wochenende in die Pause.
Zu einem gleichen Schlussfeuerwerk wie am Samstag reichte bei den Limmattalern in Drittel 6 des Wochenendes aber leider nicht mehr. Nachdem auch während der Partie am Sonntag weitere Spieler verletzungsbedingt die Fahnen streichen mussten, versuchte die verbliebene Rumpftruppe der Urdorfer zwar noch die Verlängerung zu erzwingen, bremsten sich gegen Spielende dann aber durch Strafen selbst aus. Auch der zusätzliche Feldspieler anstelle des bis dahin zwischen den Pfosten agierenden Haenles konnte nicht für einen Punktgewinn sorgen.
Schlussendlich resultierte aus zwei Partien kein Punkt. Für die Limmattaler, welche sich einen Platz auf den vorderen Rängen als Ziel gesetzt hatten, eine äusserst bittere Pille zu schlucken. Doch die Saison ist bekanntlich noch lang. Bis zur Qualifikationshälfte fehlen noch zwei Spiele. Auf die Berner trifft man dann allerdings frühestens in der Crunch-Time wieder. Auf diese und eine Revanche in den richtigen Playoffs würden sich auf Seiten der Limmattaler sicher einige Spieler freuen. Reichte es doch schon, zweimal innerhalb von rund 24 Stunden gegeneinander zu spielen, um bereits vereinzelte Lieblingsgegenspieler zu finden. Insbesondere am Sonntag wurde beidseitig bereits grosszügig mit Nettigkeiten ausgeteilt und mit playoffüblichem Trashtalk nicht gerade zimperlich umgegangen.
Bis dahin ist der Weg allerdings noch weit. Beinahe so weit wie die Anfahrt am kommenden Samstag. Gegen den direkten Verfolger in der Tabelle Corcelle-Cormondrèche müssen nach drei Partien ohne Vollerfolg unbedingt wieder Punkte aufs Konto gebracht werden. Denn das Schlussprogramm der Hinrunde ist mit dem aktuellen Leader aus Zollbrück nicht einfach.
Die Partie gegen die Westschweizer wird am Samstag, 7.11. um 18:00 Uhr im Complexe Maladière-La Riveraine in Neuenburg angepfiffen. Da in diesem Teil der Schweiz das Wetter am Samstag sowieso besser sein soll, lohnt sich ein Wochenendausflug inklusive Unihockey sicher für ein paar treue Unterstützer.