Herren 1. Liga: Zweimal in die Zusatzrunde

Spielbericht

Die Limmattaler ziehen eine durchzogene Bilanz nach der ersten Doppelrunde der Saison.

Gleich zweimal mussten die Urdorfer auswärts antraben. Am Samstag im malerischen Aigle, tags darauf in der altbekannten SLM-Arena in Konolfingen. Dies bedeutete wohl oder übel auch insgesamt rund elf Stunden Carfahrt an einem Wochenende.

Bei schönstem Sonnenschein konnten die Limmattaler am vergangenen Samstag den Reisebus in Aigle verlassen und sich mit einer der neuen Hallen in dieser Saison vertraut machen. Zu Beginn des Spiels schienen einige Zürcher Akteure allerdings noch die lange Reise in den Knochen stecken zu haben. Zu träge bewegte man sich auf dem Spielfeld, ganz im Gegenteil zu den aufsässigen und spritzig auftretenden Gastgebern aus dem Waadtland. Selbst aus einem ersten Überzahlspiel konnte nicht Kapital geschlagen werden. So nutzten die Hausherren schliesslich einen Doppelschlag in der 8. und 9. Spielminute für eine 2:0 Führung. Selbst diese vermochte die Limmattaler nicht aus ihrem Tiefschlaf zu wecken. Als man kurz vor Drittelsende nochmals im Powerplay antreten durfte, lag der Anschlusstreffer zwar in der Luft, doch realisiert werden konnte er nicht.

Auch nach der Pause taten sich die Gäste schwer mit einem geordneten Spielaufbau. Einen solchen verhinderten in der Folge sowieso die Unparteiischen, welche verzweifelt und vergeblich versuchten, den Zugriff auf die Partie nicht vollends zu verlieren, indem sie Zeitstrafe nach Zeitstrafe aussprachen. Nachdem noch vor Spielhälfte insgesamt auf beiden Seiten je zwei Akteure in die Kühlbox geschickt wurden, konnte Peraro auf Zuspiel von Hasenböhler die letzte dieser Strafen schliesslich doch noch zum Anschlusstreffer ausnutzen. Kurz nach Spielhälfte erzielte E. Amaro Dominguez nach einem unnachgiebigen Einsatz den verdienten Ausgleich. Bestand halten sollte dieser jedoch aus Sicht der Limmattaler leider nicht lange. Keine 20 Sekunden später bejubelten die Waadtländer die erneute Führung. Und auch die zwei Tore Führung konnten sie kurze Zeit später in Überzahl wiederherstellen. Den Schlusspunkt in diesem Drittel war dann die sechste Zeitstrafe in diesem Spielabschnitt, welche die Limmattaler allerdings unbeschadet überstanden.

Zu Beginn des Schlussdrittels durften die Urdorfer abermals mit einem Feldspieler mehr agieren, konnten dies jedoch nicht in den Anschlusstreffer ummünzen. Dieser fiel aber in der 53. Minute doch noch, als Pliska einen Freistoss zügig ausführte, Halter schneller schaltete als die gegnerische Abwehr und den Aigle-Schlussmann halbhoch im weiten Eck erwischte. Rund eine Zeigerumdrehung später war es abermals E. Amaro Dominguez, welcher nach einer schönen Einzelleistung zum 4:4 den Doppelschlag der Limmattaler perfekt machte. Ein weiteres Powerplay der Zürcher blieb ungenutzt, während die Gastgeber im Gegenzug in der 58. Minute nach einem weiteren Freistosstor den vielumjubelten Führungstreffer erzielten. Doch so einfach wollten sich die Limmattaler nicht zufriedengeben. Ohne nachzugeben, drückten sie in der Folge auf die Verlängerung. Diese sollte 56 Sekunden vor der Schlusssirene dann auch Tatsache werden. Peraro nutzte eine unihockeyballgrosse Lücke in der gegnerischen Verteidigung aus und zirkelte die Kugel nach einem Freistoss ins hohe Eck.

Und nachdem in der Verlängerung zwar die Spielanteile mehr auf Seite der Limmattaler lagen, sollten keine weiteren Tore fallen. Ähnlich spärlich waren dann die Erfolge im Penaltyschiessen. Und trotz einer überragenden Leistung Haenles im Kasten der Limmattaler mussten der Zusatzpunkt schlussendlich in der Westschweiz gelassen werden.

Viel Zeit zum Durchatmen blieb den Limmattalern nach diesem nervenaufreibenden Spiel allerdings nicht. Rund 12 Stunden nach der Rückkehr aus dem Westen, traf man sich abermals auf dem Carparkplatz, um die Fahrt ins Emmental anzutreten.

Mit den Löwen aus Konolfingen lieferte man sich in der einen Saison vor dem Aufstieg (was mittlerweile auch rund vier Jahre her ist) hitzige und spannende Duelle.

Insbesondere bei den Berner Gastgebern, sind aus dieser Zeit nicht mehr viele Akteure im Line-Up. Somit wussten die Limmattaler trotz der gemeinsamen Vergangenheit nicht genau, was sie erwarten würde. Dass die Emmentaler Teams stets für ihre starke physische Präsenz bekannt waren, bestätigte sich kurz nach Spielbeginn. Doch im Gegensatz zum Vortag waren auch die Limmattaler mental und körperlich bereit, die Spielweise anzunehmen. Bereits in der 3. Minute konnte Bertschi nach einem halb-missratenen Schuss Schneiders den Rebound gekonnt über die Linie schieben. Fast im direkten Gegenzug vermochten die Berner allerdings ebenfalls nach einem Abpraller den Ausgleich zu erzielen. Die beiden Teams hielten sich über die nächsten Spielminuten die Waage. Konolfingen verliess sich oftmals auf ein schnelles Umschaltspiel, während die Limmattaler den ihnen zugestandenen Raum spielerischer zu überbrücken versuchten. So war es ein wenig verwunderlich, als die Limmattaler plötzlich mit einem schnellen Konter über Ingold und E. Amaro Dominguez die 2:1 Führung erzielten. Als in der 18. Minute das Limmattaler Boxplay Stellung beziehen musste, schien die Gefahr zunächst schadlos vorüber zu gehen, ehe in der letzten Spielminute des Startdrittels der Ausgleich doch noch fiel und es mit 2:2 in die erste Pause ging. Ein durchaus gerechtes Zwischenresultat, welches keine der beiden Mannschaften in ein schlechtes Licht rückte.

Der Pausentee schien den Urdorfern besser bekommen zu haben, starteten sie doch gleich mit einem Paukenschlag ins Mitteldrittel. Hasenböhler brachte die Kugel tief zu Peraro, welcher diese einmal quer durch die Küche der Konoflinger zu Halter spedierte, welcher die Bilderbuch-Passstafette zum 2:3 abschloss. Nachdem dann je ein Akteur beider Teams einen Aufenthalt ohne Konsequenzen für die Anzeigetafel in der Kühlbox verbrachte, war es eine Sekunde vor Spielhälfte der vorige Assistgeber Peraro selber, der seinen eigenen Abpraller mit dem Rücken zum Tor und Backhand zum 2:4 unter die Latte zimmerte. Beide Teams begegneten sich in den folgenden Minuten auf Augenhöhe und auf beiden Seiten konnten sich die Schlussmänner mehrmals auszeichnen. In der 38. Minute bot sich den Limmattalern im Powerplay eine gute Möglichkeit, die Führung noch vor der zweiten Sirene auszubauen. Doch das Gegenteil geschah. Nach einem Fehlpass in die Schaufel eines Konolfingers fackelte dieser nicht lange und verwandelte nach einem schnellen Antritt zum Anschlusstreffer. Da die Urdorfer aber weiterhin mit einem Feldspieler mehr agieren konnten, liess sich Peraro diese Möglichkeit nicht nehmen und erzielte seinen zweiten Treffer nach kurzem Doppelpass mit Hasenböhler noch im Mitteldrittel.

Wenige Momente nach Wiederanpfiff konnte sich abermals das Powerplay der Limmattaler installieren und drückte auf die Vorentscheidung. Doch abermals geschah das Gegenteil. Nach einer unzureichenden Zuteilung in der Urdorfer Defensive verwandelte Hügli auf Seiten der Konolfinger sehenswert per Volley zum 4:5 Anschlusstreffer. Und obwohl die Limmattaler weiter die leicht besseren Torchancen verzeichneten, durften sie sich auch mehrmals bei Maurer zwischen den Pfosten bedanken, welcher die knappe Führung am Leben hielt. Mit verwaistem Tor und einem Feldspieler mehr drückten diesmal die Hausherren auf die Verlängerung. Und tatsächlich fand ein abgelenkter Weitschuss 23 Sekunden vor Spielschluss seinen Weg ins Netz.

Die kurze Pause vor der Verlängerung wurde auf der Limmattaler Seite nochmals dazu genutzt, die letzten Kräfte nach diesem aufreibenden Wochenende zu sammeln. Da auch die Berner am Vortag in die Verlängerung gegen einen Welschen Vertreter mussten, ist anzunehmen, dass auf ihrer Seite dasselbe passierte.

Die Verlängerung war dann wenig geprägt von zögerndem Abtasten. Beide Mannschaften spielten mit viel Spiellust nach vorne und wollten sich den Zusatzpunkt sichern. In der vierten Minute der zusätzlichen Spielzeit lösten die Limmattaler schnell und schnörkellos aus und fanden ihren Weg in den Slot der Gastgeber. Dort stand Bourgnon goldrichtig und verwandelte das Zuspiel Ingolds zum Gamewinner.

Eine Doppelrunde, aus welcher die Limmattaler nicht nur drei Punkte mitnehmen, sondern auch einige Lehren ziehen konnten. Einerseits wurde am Samstag deutlich, dass mit einem halbherzigen Auftreten auch in der 1. Liga kein Blumentopf zu gewinnen ist, andererseits aber auch mit einem überzeugenden Spiel bei numerischer Gleichzahl auch hart zu knackende Nüsse wie die Konolfinger am Sonntag bezwingbar sind.

Damit liegen die Urdorfer nach vier absolvierten Partien auf dem zweiten Tabellenrang, punktgleich mit Leader Lausanne. Und genau dieser gastiert am Samstag, 03.10.2026 in der Zentrumshalle in Urdorf. Das erste richtige Heimspiel der Limmattaler wird um 17.00 Uhr angepfiffen. Da an besagtem Samstag auch die U21 und das Herren 2 ihrerseits Heimspiele bestreiten und thematisch der Jahreszeit entsprechend Weisswürste und Brezn serviert werden, freut sich die ganze Mannschaft auf zahlreiche und lautstarke Unterstützung.

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1.10.2026
Flavio Schneider
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